Die erste Kirche im
Pfarrgebiete von Hartberg bestand schon im Jahre 860
Sie gehörte zu einem königlichen Besitz an der Safen (ecclesia ad
sabnizam), den Ludwig der Deutsche mit anderen Gütern dem Erzbistum
Salzburg geschenkt hatte. Funde bei einem Wehrbau nördlich des
Schlosses Klaffenau lassen den Standort der ältesten Kirche in der
Oststeiermark an dieser Stelle vermuten. Das Gotteshaus ist
wahrscheinlich während des Ungarnsturmes im Jahre 894 zerstört worden.
Eine Vorläuferin der Pfarrkirche war auch die Burgkapelle der bald nach
1122 errichteten Pfalz in Hartberg. Diese spätere
Johannes-Magdalenen-Kirche gehörte zu den Filialkirchen der
Stadtpfarre. Sie musste im Jahre 1786 unter Kaiser Josef II. abgetragen
werden.
Unmittelbar nach der Errichtung des ersten Marktes in Hartberg(1128)
wurde eine romanische Chorquadratkirche erbaut und dem hl. Martin
geweiht - die heutige Pfarrkirche
Die Pfarre wurde als eine der Urpfarren neben Riegersburg und Leibnitz
um 1140 durch den Archivdiakon Reinbert von Fischau gegründet. Der
erste Pfarrer, Erchenger, wird urkundlich 1157 genannt. Für die Zeit
von 1163 bis 1201 scheint Ulrich, ein Neffe des Archidiakons Reinbert in
acht Urkunden als Pfarrer von Hartberg auf. Als ranghöchster Priester löste
er den sterbenden Leopold V. in Graz vom päpstlichen Banne, der über
den Herzog wegen der Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz
verhängt worden war
Pfarrer Ulrich ließ die Chorquadratkirche zu einer dreischiffigen
Pfeilerbasilika ausbauen. Das Hauptschiff und die beiden niedrigen, mit
Fenstern versehenen Seitenschiffen erhielten flache Decken. Auch die
Errichtung des Wehrturmes, des heutigen Kirchturmes, aus behauenen
Quadersteinen dürfte in diese Bauperiode fallen.
300 Jahre später, in der Spätgotik, wurde der Chorraum der Kirche nach
Osten ausgebaut. An den Strebepfeilern der Außenseite ist die
Jahreszahl 1467 gemeißelt. Von den damals neu erbauten Gewölben ist
das gotische Sternrippengewölbe im Mittelschiff noch erhalten.
Bei einer
Brandkatastrophe im Jahre 1715 wurde Hartberg bis auf wenige Häuser
zerstört. Der Wehrturm brannte aus und die angebaute Kirche wurde
ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die Brandschäden, die teilweise
Baufälligkeit und das geringe Fassungsvermögen der Kirche verlangten
einen Neubau. 1751 entschloss man sich jedoch nur zu einem großzügigem
Umbau. Die romanischen Seitenschiffe wurden abgerissen, neu aufgebaut,
mit Emporen versehen und bis zur Westseite des Turmes verlängert.
Der Altarraum erhielt ein neues Gewölbe und nach Abtragung des baufälligen
Kirchturms erhielt das anschließende Chorquadrat an dieser Stelle eine
ovale Flachkuppel. Auch die Sakristei wurde vergrößert und im Norden
die Marienkapelle angebaut. Mit den Bauarbeiten war der Hartberger
Baumeister Thoman Reiff betraut, der auch den romanischen Wehrturm zu
einem der schönsten Barocktürme der Steiermark ausbaute.
Eine Grabung im Jahre 1973 brachte einigermaßen Klarheit über die vier
Bauperioden der Stadtpfarrkirche. Bei Einbau der Bodenheizung kamen
nicht nur Hypokausten und Mauerteile eines römischen Gebäudes aus dem
2./3. Jahrhundert und die Fundamente der romanischen Chorquadratkirche
zum Vorschein, sondern auch eine Krypta mit Kruft.
Beim Betreten der Kirche fällt als erstes die harmonische
Innengestaltung auf. Das Hochaltarblatt wurde vom Vorauer Stiftsmaler
Johann Cyriak Hackhofer vor dem Barockumbau, wahrscheinlich noch im Jahre
1717 geschaffen. Das Ölbild stellt in seiner warmen Goldtönung die
Aufnahme des hl. Martin in den Himmel dar. Die Fresken des Malers Adam Mölck
über dem Hochaltar zeigen in vier Feldern Begebenheiten aus dem Leben
des Heiligen. Das Deckenfresko zeigt den hl. Martin als Fürbitter im
Himmel. Der Hochaltar mit dem Säulenaufbau entstand 1766. Den Abschluss
des Presbyteriums bilden links das Standbild der hl. Jungfrau Maria und
rechts die Statue des hl. Josef mit dem Jesuskind. Im Jahre 1984 wurde
der Altarraum neu gestaltet. Das barocke Chorgestühl kam aus der
Stiftkirche in Göß, den steinernen Altartisch hat der Grazer Architekt
Reinhard Schöpf entworfen. Über dem Altar schwebt ein großes
gotisches Kruzifix, das in der Barockzeit nur wenig verändert wurde. Zu
erwähnen wären noch die beiden Zunftfahnen aus dem 18. Jahrhundert.
Neben der Marienkapelle steht im linken Seitenschiff der Altar der
Heiligen Familie. Das Altarbild zeigt sie in ihrem Hause in Nazareth.
Links und rechts davon stehen die Statuen der hl. Katharina und der hl.
Barbara. Das Deckenfresko stellt ebenfalls die Heilige Familie dar. Der
hl. Josef steht einem Sterbenden bei, er ist der Patron der Sterbenden.
Der nächste Seitenaltar ist dem hl. Franz Xaver geweiht. Im
Deckenfresko sieht man den hl. Franz Xaver bei der Taufe der Inder. Das
Altarbild zeigt ihn als Sterbenden. Die Statuen stellen den hl.
Augustinus und den hl. Florian dar.
Im Chorquadrat ist auf der linken Seite der Rosenkranzaltar mit den
Statuen des hl. Petrus Martys und des hl. Sadok von Sandomierz zu sehen.
Das Altarbild zeigt die Übergabe des Rosenkranzes durch die
Gottesmutter an den hl. Dominikus. Der rechte Altar ist den heiligen
Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Die Standbilder an beiden Seiten
stellen die Heiligen Franz Xaver und Aloisius dar.
Über dem Aloisius-Altar mit den Statuen des hl. Ignatius von Loyola und
des hl. Johannes vom Kreuz zeigt das Mölck-Fresko den hl. Aloisius beim
Verzicht auf Welt und Krone. Ein weiteres Fresko in der Taufkapelle
stellt den hl. Johannes den Täufer bei der Taufe Jesu dar. Der
Renaissance-Taufstein trägt die Jahreszahl 1648. Die vier Ölbilder
zeigen die Anbetung der hl. 3 Könige, die Beschneidung Jesu, die
Darstellung Jesu und den Kindermord in Bethlehem. Zu erwähnen wären
noch die Barockkanzel, die der Grazer Bildhauer Mathias Leitner 1753
schuf.
Sie ist eine Stuckmarmorarbeit, ähnlich den Altären in grau,
rot und weiß marmoriert. Am Schalldach befinden sich die Statuen der
vier sitzenden Evangelisten und als Bekrönung Christus als guter Hirte.
Am Korb sind vergoldete Reliefs von "Schafen auf der Weide "
und der "Übergabe des Hirtenamtes an Petrus".
Die Orgel wurde vom
Grazer Orgelbauer Ferdinand Schwarz im Jahre 1762 gebaut. Noch hundert
Jahre später war sie nach den Orgeln in Admont und Mariazell die drittgrößte
Orgel der Steiermark. Das Werk wurde 1942 vom Berliner Orgelbauer Karl
Schuke erneuert, wobei von der Schwarzorgel nur die Prospektpfeifen und
das Gehäuse erhalten blieben.
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