Maria Lebing als Gnadenort

Als Pendant zur 1682 errichteten Pestkapelle erbaute Remigius Horner 1732 an der Nordseite eine Kapelle und führte darüber den Turm mit Glockengeschoss und Zwiebelhaube hoch. 1770 erfolgte die völlige Barockisierung des Kircheninneren, wobei die gotischen Architekturelemente - Gewölberippen, Dienste und deren Kapitelle bzw. Konsolen - abgeschlagen wurden.

Dadurch wurde eine einheitliche Freskoausmalung möglich, die Josef Adam Mölk 1772 ausführte. Die Fresken, die zu den besten Werken Mölks zählen, zeigen einen Marienzyklus, u. a. Szenen des wunderwirkenden Mariengnadenbildes von Maria Lebing; im Chor ist Maria als Fürbitterin der Stadt Hartberg dargestellt. Die reizvollen, aus Blütengehängen und Muschelwerk bestehenden pastellfarbigen Dekorationsmalereien verleihen dem Raum ein stimmungsvolles Ambiente.

Von großer Qualität ist auch die Barockeinrichtung, von der der Hochaltar mit seinen expressiv agierenden Statuen (1749 von Philipp Jakob Straub; er lieferte auch die beiden Seitenaltäre) und die Kanzel von Mathias Leitner hervorzuheben sind.
Gnadenstatue und Hochaltar

Unter einem Baldachin steht die aus dem 15. Jh. stammende Gnadenstatue, die 1784 erst barock überarbeitet wurde, nachdem durch den Erlass Kaiser Josephs II. die Bekleidung der Figuren entfernt werden musste. Der große Altaraufbau nimmt beinahe das gesamte Chorrund ein, weshalb vor dessen Aufstellung 1744 die Apsisfenster vermauert, bei der letzten Renovierung 1988 aber teilweise wieder freigelegt wurden. 
Als Vorbild des Hochaltares diente wohl jener der Vorauer Stiftskirche. Der von Manfred Fuchsbichler entworfene Altar wurde 1988 errichtet. Die Steinquader des Unterbaus werden durch Nirostastege besonders akzentuiert. Die Altarplatte ist gotisch und wurde 1988 beim nördlichen Seitenausgang wiederentdeckt.

Pfarrer Christoph Max Jöchlinger vergab 1770 den Auftrag zur Ausmalung der Kirche an den aus Tirol stammenden und dort zuvor vielfach tätigen Maler Josef Adam Mölk. Geschickt komponierte Mölk in leichter transparenter Malweise seine figuralen Darstellungen in Kartuschen. Das Grundthema der Malereien ist der Gottesmutter Maria gewidmet, wobei im Langhaus markante Stationen ihres Lebens dargestellt sind. In der Mitte des Kirchenraumes beginnt die Lebensgeschichte Marias mit der Geburt der Gottesmutter. Im Zwickel über der südlichen Kapelle findet sich der Tempelgang Marias.

Sie schreitet als dreijähriges Kind die Treppe zum Tempel empor, wo der Hohepriester sie erwartet. Darauf folgt die Vermählung Marias im großen Deckenbild. In einem hochaufragenden Kuppelraum reichen sich Maria und Josef die Hände (Vermählungsszene).

Folgt man der Erzählrichtung, so muss man sich nun zur Orgelempore umwenden,, wo über gemalten Öffnungen an der Südseite die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria und an der Nordseite die Heimsuchung, also die Begegnung der schwangeren Maria mit ihrer schwangeren Verwandten Elisabeth geschildert wird.
An der Südseite unter der Orgelempore folgt die Geburt des Jesuskindes, bei der Josef schlafend anwesend ist. Gegenüber erscheint die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

An der Westwand über der Orgelempore ist der Marientod dargestellt. Das große Deckenbild darüber zeigt die Himmelfahrt der Gottesmutter in einer Landschaft mit Felsen, Pinien und Palmen.
Die Pestkapelle
Die südseitig angebaute Seitenkapelle besticht durch den qualitätsvollen und zierlichen Pestaltar. Die Errichtung von Altar und Kapelle geht auf ein Verlöbnis der Hartberger Bürgerschaft an die Gottesmutter zu Lebing im Jahr 1680 für die Verschonung vor der 1679 in Hartberg grassierenden Pest zurück. Die Pestpatrone (Rosalia, Sebastian und Rochus) sind rund um das Mittelbild angeordnet.
Das Altarbild zeigt unter der auf Wolken thronenden Dreifaltigkeit eine Ansicht der Stadt Hartberg aus dem Jahre 1713, signiert "Thomas Lang". Geschaffen hat den Altar der Hartberger Bürger Franz Seidl.

1772 hat Mölk an der Ostwand ein seltenes Thema zur Aufführung gebracht: Der zürnende Christus wird von seiner Mutter besänftigt und zurückgehalten, das Blitzbündel des Unheils vollends auf die als gläserne Kugel erscheinende Welt zu schleudern.
Pestkapelle

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